Schimmel in Wohnräumen – was tun?

Pilze – Mikroorganismen des täglichen Lebens.

Zu den Pilzen gehören neben den allgemein bekannten Champignons auch Hefen und Brotschimmel. Hefen und Schimmelpilze werden benutzt, um Brot, Käse, Salami, Wein, Bier oder Alkohol herzustellen.

Wir finden Bestandteile von Schimmelpilzen z.B. ihre Sporen, überall in unserer Atemluft.  Einige Schimmelpilzarten können aber über ihren Stoffwechsel gefährliche Gifte (Myko-Toxine) bilden. Ein Vertreter davon ist Stachybotrys chartarum, welcher bei hoher Feuchte einen optimalen Nährboden auf zellulosehaltigen Baustoffe, speziell Gipskartonplatten und Tapeten, findet.

Sichbarer Befall an den Außenwänden nach Demontage der Eckbank

Mit welchem Schimmel habe ich es zu tun?

Es ist auch für den Fachmann (Mykologen) nicht möglich, eine Schimmelpilzart rein optisch zu bestimmen!

In den häufigsten Fällen zeigt sich der Stachybotrys in Form einer schwarzen „Rußschicht“. Im Gegensatz dazu ist der allgemein unter dem Namen „Schwarzschimmel“ bekannte Aspergillus niger, welcher ebenfalls Toxine bildet, ein Pilz der wesentlich weniger Feuchte für sein Wachstum benötigt.

Liegt ein Befall vor, entsteht über die Freisetzung von flüchtigen organischen Verbindungen ein typisch modriger Geruch. Dieser Geruch lässt auch bei nicht sichtbaren Schäden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf einen verdeckten Befall schließen.

Sanierung einer Neubauwohnung nach ca. vier Jahren aufgrund von Feuchte und Schimmelschäden aufgrund einer mangelhaften Abdichtung der Dusche. Es erfolgte ein Rückbau in den Rohbauzustand.

Wann und wo entsteht Schimmel?

Optimale Bedingungen für die „Aufzucht“ von Schimmelpilzen sind:

  • eine Luftfeuchte von über 55% (in der Raummitte gemessen)
    In kühlen Eckbereich ist damit rasch eine kritische Feuchte von ca. 75% erreicht.
    Der wichtigste Faktor für die Keimung der Sporen ist die Wasseraktivität des Nährmediums. Feuchteregulierende Baustoffe, welche wenig „freies“ Wasser zu Verfügung stellen, verschlechtern die Wachstumsbedingungen.

  • eine Lufttemperatur von über 20 °C
    Diese Bedingungen sind in Wohnräumen im Regelfall gegeben.

  • ein pH-Wert des Untergrundes im Bereich von 5
    Dispersionsfarben sind pH-neutral (7) bzw. leicht sauer und begünstigen eine Besiedelung.
    Empfohlener Link: https://www.baulinks.de/webplugin/2012/2237.php4

  • vorhandenes organisches Material
    Unter „schlechten“ Voraussetzungen kann Schimmel seine Nährstoffanforderungen auch über Hausstaub abdecken.

Gute Voraussetzungen findet der Pilz in feuchten „Ecken“, in denen organisches Material wie Karton, Lederschuhe, Handtaschen, Bücher und dergleichen gelagert werden. Sind die Voraussetzungen für das Pilzwachstum (im Wesentlichen: Feuchte, Temperatur, Substrat) günstig, kann ein erkennbarer Befall innerhalb weniger Tage auftreten, meist als ein grauer oder schwarzer filziger Belag. Dies ist jedoch nicht der eigentliche Pilz sondern der „Fruchtkörper“, der für die Sporenbildung (Reproduktion) verantwortlich ist.

Schimmel an der Rückwand eines Küchenschranks

Feuchte im Wohnraum – woher kommt diese?

Diese ist oft auf eine ungünstige Kombination unterschiedlicher Einflüsse zurückzuführen.

  1. Fehlende oder mangelhafte Wärmedämmung
  2. Wärmebrücken
  3. Erhöhte Wärmeübergangswiderstände
    (Behinderung der Konvektion – der Kasten im Eck)
  4. Unzureichende Beheizung
  5. Erhöhte Feuchteproduktion (Überbelegung, …)
  6. Unzureichendes Lüften (falsches Nutzerverhalten)
  7. Geringe Feuchtepufferung der Baumaterialien
  8. Leckagen und Baumängel
  9. Baufeuchte
  10. Hochwasser, Löschwasser
  11. Sommerkondensation an kühlen Wandbauteilen

Schimmel im Bereich der Fensterlaibung

Ist jeder Schimmel „gefährlich“ für meine Gesundheit?

Es ist davon auszugehen, dass alle in Gebäuden vorkommenden Schimmelpilze allergenes Potenzial besitzen. Darüber hinaus findet man in Wohnräumen bei entsprechenden Voraussetzungen auch Schimmelpilze mit humanpathogenem (gesundheitsschädigendem) Potenzial.

Da das gesundheitliche Gefährdungspotenzial des Schimmels unmittelbar mit der gesundheitlichen Konstitution der Raumnutzer in Verbindung steht, ist eine eventuell gegebene Immunsupression der Nutzer, sowie chronische Erkrankungen oder Schimmelallergien abzuklären.

Die durch einen Schimmelbefall in Räumen verursachten erhöhten Konzentrationen von gesundheitsschädigenden Pilzbestandteilen in der Raumluft können bei abwehrgeschwächten Personen infektiöse Pilzerkrankungen (Mykosen) verursachen, oder allgemein allergische Reaktionen hervorrufen.

Die Bestimmung der Schimmelpilzart obliegt dem Mykologen, die Bewertung der gesundheitlichen Gefährdung dem medizinischen Fachpersonal.

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass bei Feuchteschäden nicht nur Schimmelpilze, sondern oft auch Bakterien auftreten.

Der Begriff „Schimmel“ wird daher verallgemeinernd für einen mikrobiellen Befall bei Feuchteschäden, der durch Schimmelpilze und Bakterien verursacht wird, verwendet. Der für das Auge mit seinem Myzel und Fruchtkörper sichtbare Schimmelpilz wird dabei als Leitorganismus gesehen.

Allergische, reizende bzw. toxische Wirkungen können sowohl von lebenden, als auch von abgestorbenen Schimmelpilzbestandteilen ausgehen.

Kann ich den Schimmel selbst entfernen?

In Räumen mit speziellen hygienischen Anforderungen der Nutzungsklasse I (wie Krankenhäuser und Altenheime), in denen sich immungeschwächte Personen aufhalten, sind spezielle Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

In Wohnräumen (Nutzungsklasse II) ist eine Eigensanierung abhängig von der Art und dem Ausmaß der Belastung, sowie der persönlichen allgemeinen gesundheitlichen Konstitution der Bewohner.

Ein oberflächliches Entfernen eines mikrobiellen Befalls bzw. von sichtbarem Schimmel ohne Beseitigung der Ursachen ist aber jedenfalls nicht nachhaltig und keinesfalls ausreichend.

Grundsätzlich ist die Effizienz von anzuwendenden Methoden durch unabhängige Untersuchungen zu belegen. Eingesetzte Präparate benötigen eine Zulassung nach dem Biozidproduktegesetz.

Liegt die Ursache eines Schimmelschadens in einer „fehlerhaften“ Nutzung der Räume, sind die Raumnutzer darüber aufzuklären, wie durch geändertes Nutzerverhalten ein neuerliches Wachstum von Mikroorganismen vermieden werden kann.

Nach Abschluss einer Schimmelsanierung hat eine Feinreinigung zu erfolgen. Eine Kontrollmessung der Innenraumluft wäre zu empfehlen. Eine spezielle Luftreinigung ist nicht erforderlich.

Die Verwendung von Bioziden als Sanierungsmaßnahme in Innenräumen ist im Allgemeinen unerwünscht und nicht empfehlenswert, da deren Nutzen häufig nicht gegeben bzw. äußerst zweifelhaft ist, und hierdurch zusätzliche gesundheitlich bedenkliche Substanzen eingebracht werden können.

Von der Verwendung hoch konzentrierter Chemikaliengemische in dauerhaft genutzten Innenräumen wird dringend abgeraten!

Sprüh- oder Vernebelungstechniken sind nicht nötig bzw. in ihrer Effektivität nicht gesichert.

Wo erfahre ich Näheres zum Thema Schimmel und dessen Beseitigung?

Grundlage für die Betrachtung von Schimmelschäden ist der Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (kurz „Schimmelleitfaden“), herausgegeben vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Wien, Jänner 2019.

Eine Auswahl an weiterführender Literatur findet sich auf der Seite des österreichischen Bundesverbandes für Schimmelsanierung und technische Bauteiltrocknung.

Interessante Beiträge zum Thema Schimmel, welche auch in eine Reihe von anderen Sprachen übersetzt sind, finden sich in den Publikationen des Deutschen Umweltbundesamtes, dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit  und der SUVA.

Expertenkontakt:

Architekt DI Robert Valentini

Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Schvaerständiger, u.a. für Schimmel

office@arch-valentini.com bzw. 004369915010916

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